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Studie untersucht Langzeitfolgen der Scheidung der Eltern für Kinder |
Etwa jede dritte Ehe in Deutschland oder Österreich endet irgendwann vor dem Scheidungsrichter, in den Ballungsgebieten der Städte sogar fast jede zweite Ehe. 1997 wurden ca. 188 000 Ehen in Deutschland und 18.000 Ehen in Österreich geschieden. Besonders Leidtragende sind Kinder: Fast 150.000 Kinder in Deutschland und 16.500 Kinder in Österreich wurden 1997 zu Scheidungswaisen - viele davon hilflos gefangen zwischen streitenden Müttern und Vätern und mit ihrer Angst, Wut und Schuldgefühlen alleingelassen. Eine traurige Statistik, aber keine neue. Neu ist jetzt das Ergebnis einer Studie über die Langzeit-Konsequenzen einer Scheidung für Kinder. Die Psychologin Judith Wallerstein aus Mar ounty, Kalifornien verfolgte 25 Jahre lang das Leben von 93 Kindern aus zerbrochenen Ehen. Dabei stellte sich heraus, daß die Scheidung der Eltern großen Einfluß auf das spätere Liebesleben der Kinder hat - allerdings nicht in dem S daß diese nun vielleicht Angst gehabt hätten, eine Ehe einzugehen. Ganz im Gegenteil. Die Hälfte der beobachteten Scheidungswaisen heiratete bereits vor dem 25. Lebensjahr- aber: 60 Prozent dieser Ehen landete über kurz oder lang wieder vor dem Scheidungsrichter.
Judith Wallerstein wählte für ihre Studie 93 Kinder aus finanziell gutgestellten Familien, deren Eltern sich scheiden ließen. Diese Gruppe verglich sich mit 44 Kindern aus sozial ähnlichen Familienverhältnissen, deren Eltern aber zusammenblieben. Die Ergebnisse ihrer 25-Jahr Studie hat sie nun in Buchform veröffentlicht ( ''The unexpected legacy of divorce: A 25-year landmark study'', Judith Wallerstein und Ko-Autorinnen Julia Lewis und Sandra Blakeslee, Verlag: Hyperion; ISBN: 0786863943):
Demnach hatten 25 % der Scheidungswaisen noch vor ihrem 14. Geburtstag Kontakt mit Alkohol und Drogen, in der Gruppe der Vergleichskinder waren es nur 9 %. Die Hälfte der Scheidungskinder heiratete früh, in der Vergleichsgruppe nur 11 %. Und 60 % der Frühehen von Scheidungskindern zerbrach bis zum Abschluß der Studie wieder, in der Vergleichsgruppe nur 25 %.
Die Psychologin interpretiert diese Ergebnisse als Beweis dafür, daß eine Scheidung nicht nur unmittelbare Folgen für die Kinder wie Angst und Schuldgefühle hat, sondern deren Leben langfristig beeinflußt. Wallerstein meint, von allen großen Familienkrisen, die ein Kind betreffen kann, wie z.B. Tod eines Elternteils oder Drogen- bzw. Alkoholmißbrauch bei den Eltern hätten keine einen so großen schädlichen Einfluß auf das spätere Leben der Kinder wie eine Scheidung.
Diese Ansicht wird von Mavis Hetherington, Professorin an der Universität von Virginia kritisiert. Hetherington sagt, daß andere Forschungsergebnisse gezeigt hätten, daß nur 25 Prozent der Scheidungsweisen Langzeitprobleme mit Beziehungen haben, die restlichen 75 Prozent aber nicht mehr oder weniger Probleme hätten als andere Menschen auch.
Quelle: American Psychological Association (www.apa.org), statistisches Material: Bundesamt f. Statistik Deutschland, Zeitschrift ''Dialog'', Vindobona Verlag
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