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Alle Jahre wieder....Was lege ich meinem Kind unter den Christbaum?
November 1999

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Weihnachten naht und es stellt sich die alljährliche Frage: Welches Spielzeug soll heuer unter dem Christbaum liegen? Was aus diesem Überangebot in der Vorweihnachtszeit ist wirklich geeignet?

Nun, einen Anhaltspunkt liefert die Frage, die sich jeder Einkäufer von Spielzeug stellen kann: Zu welcher Art von Aktivität führt dieses Spielzeug?

Ziemlich oft wird die Antwort lauten: Zu keiner guten. Man denke nur an die verschiedenen Arten von Star Wars Spielzeug. Was sollen die Kinder damit anfangen, außer diese Figuren, Raumschiffe und Schwerter für verschiedene Kampfspiele zu benutzen?

Erwachsene sollten bedenken: Durch das Schenken von solchem Spielzeug vermitteln sie dem Kind die Botschaft :„Das ist gut für Dich“. Wenn aber das Spielzeug gut ist, dann müssen auch die Aktivitäten gut sein, die zwangsläufig daraus resultieren, also auch die Gewalt. Das ist der 2. Teil der Botschaft, über den sich die meisten wohl kaum allzuviel Gedanken machen.

Ein anderes Problem ist die zunehmende „Elektronisierung“ des Spielzeugs: Bereits für Kleinkinder gibt es Spielzeug, wo sie nur auf einen Knopf drücken müssen und schon bewegt sich etwas oder es ertönt Musik. Aus der Sicht eines Kleinkindes handelt es sich dabei nur um einen magischen Trick. Das Kind lernt also nichts dabei, solches Spielzeug läßt keinen Raum für Phantasie und Kreativität. Das Kind kann nur einen Knopf drücken und immer wieder passiert dann dasgleiche. Irgendwann ist das langweilig und das teure Stück liegt unbeachtet im Eck.

Eine der frühesten Entwicklungsaufgaben für das Kind ist den Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu lernen. Es schüttelt die Rassel und hört daraufhin ein Geräusch oder es stößt das Mobile an und alles bewegt sich. Elektronisches Spielzeug zeigen dem Kind nur, daß irgendetwas in dem Spielzeug passiert. Ein gutes Spielzeug eröffnet dem Kind dagegen Möglichkeiten, liefert Hinweise, wie die Welt funktioniert und es erweitert das Spiel anstatt ihm Grenzen zu setzen. Was ist aber nun gutes Spielzeug? Einige Empfehlungen (keine vollständige Liste):

Bis zum 1. Geburtstag: In diesem Alter benötigen Kinder vor allem jemanden, der mit ihnen spielt. Das Spielzeug sollte einfach sein: Rasseln, Mobiles, ein Kuscheltier.

12 bis 24 Monate: Die Kinder erkunden in diesem Alter den Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Das Spielzeug sollte sie dabei unterstützen: Bausteine, Kugelbahnen, erste Formenspiele, ein Ball...

bis 5 Jahre: Das Spiel wird zielgerichteter, die Kinder beginnen ihre Alltagserfahrungen ins Spiel einzubauen und die Erwachsenenwelt nachzuahmen. Vorsicht beim Kauf von Werkbank oder Puppenküche: Das teuerste und neueste bunte Plastikmodell ist oft so überausgestattet, bis hin zum Plastikspiegelei, das es die Phantasie und Kreativität der Kinder letzten Endes nur wieder einengt. Weniger ist hier mehr. Das gilt auch für Lego, Knex und andere Bausteinsysteme: Ein Überangebot kann das Kind überfordern. (Einzige Ausnahme aus dieser Regel sind Zug-Bausysteme. Das Spiel wird schnell langweilig, wenn die Schienen nur für einen Kreis reichen). Weiteres gutes Spielzeug sind sogenannte Motorikschleifen (verschiedene Kugeln können auf einem labyrinthähnlichem Drahtgeflecht verschoben werden), Spiele wie Domino oder Bilderlotto, Arztkoffer (sehr wichtig, falls Ihr Kind häufiger zum Arzt muß), Materialien zum Sortieren oder Bilderlegen...

Eine Anmerkung noch zu Bausteinsystemen wie Lego oder Knex: Mädchen bekommen dieses Spielzeug immer noch seltener geschenkt als Jungen. Bausteine fördern aber das Konstruktionsdenken und das räumliche Vorstellungsvermögen. Die oft in Testreihen beobachteten schlechteren Leistungen von Mädchen im Bereich „räumliche Vorstellung“ sind unter Umständen auf die in dieser Hinsicht schlechtere Frühförderung zurückzuführen. Also, schenken Sie auch Ihrer Tochter Bausteine (und umgekehrt, auch Jungen spielen gern mit einer Puppenküche).

bis 10 Jahre: In diesem Alter haben die Kinder meist sehr genaue Wünsche und Vorstellungen und hartnäckige Verhandlungen mit den Eltern über Gameboys oder Star Wars Figuren stehen an. Vielleicht haben sie mit diesen Vorschlägen Erfolg: Sportausrüstung (z. B. für Judo, Fußball, Tennis...) plus Anmeldung in einem Verein, Mikroskop, Wissenschaftsbaukästen wie z. B. Kristalle herstellen, Tischfußball, Hobbyausrüstungen für Malen oder Laubsägearbeiten, Modellbausets für gemeinsame Stunden von Eltern und Kindern...

Grundsätzlich gilt: Kinder lernen durch ihr Spiel. Es ist daher wichtig, daß das Spielzeug eine große Bandbreite an Aktivitäten fördert. Daraus folgt: wenn Ihr Kind auch noch so sehr von einem bestimmten Bausystem oder von Autos oder Puppen begeistert ist, Sie sollten ihm trotzdem auch etwas anderes schenken.

Wenn Sie sich jetzt nicht sicher sind, ob Sie das richtige Spielzeug für Ihr Kind kaufen wollen, schreiben sie mir: cturnheim@psychohelp.at

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geändert am 11/03/2009; © 1999 - 2010 Mag. Christiane Turnheim; Webmaster
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